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Menschenwürde ab € 1.-
27.03.2010
2005 gab es erstmals die Idee: Sechs Ganzkörperscanner „Rapiscan Secure 1000“ wurden um ganze 725.000 Euro von der europäischen Kommission für die Erweiterung der Sicherheitskontrollen an Flughäfen gekauft. Damit sollte man an die Haut gebundenen Sprengstoffe und Waffen erkennen können. Doch die Geräte lösten sogleich höchste Empörung bei den Passagieren aus. Die Sicherheitsexperten hatten ganz einfach nicht daran gedacht, dass die so genannten Nacktscaner ein Eingriff in die Privatsphäre und damit die Menschenwürde darstellten. Der Körper wird eindeutig zur Schau gestellt und einer Bewertung zumindest durch das Flughafenpersonal preis gegeben. Allein der Gedanke, dies könnte passieren, löst bei den meisten Menschen ein Schamgefühl aus, das aus dem Kontrollverlust resultiert, den die unfreiwillige Nacktheit bedeutet, so Bettina Schuhrke von der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt (in „Zeit Online“).

Doch die EU hat reagiert und die Geräte in den Keller verfrachtet, wo sie aber nicht auf ewig vor sich hin rosten sollen, dafür waren sie dann doch zu teuer. Auch wenn sie wohl nicht mehr auf dem letzten Stand der Technik sind, soll der finanzielle Verlust so gering wie möglich gehalten werden. Per eBay wurden die Nacktscanner mit einem Startpreis von € 1.- angeboten, originalverpackt versteht sich. Und dazu gab’s noch ein Exemplar von George Orwells „1984“. Hätten die EU-Bürokraten das Buch gelesen, bevor sie die Geräte angeschafft hatten, hätten sie es sich ja vielleicht von vorneherein anders überlegt.

(vs)




die-frau.at