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Mann versus Weepie
20.04.2014
In der Samstagsbeilage eines renommierten österreichischen Tagesblattes war in einer Kolumne folgendes zu lesen: „ „Oh Gott, ein Weepie, bloß nicht!“ Mit dem Begriff Weepie bezeichnet das Mädchen-Komitee jene Sorte von Männlichkeits-Aspiranten, die zu Weltschmerz und Weinerlichkeit neigen, anstatt blutiges Fleisch zu essen und Frauen auf den Hintern zu klopfen.“*

Dieser Satz macht stutzig. Ein Aspirant ist ein Anwärter, also jemand, der etwas noch nicht ist. In diesem Falle also kein Mann. Heulsusen sind somit keine Männer.

Fleischfresser und Klapseverteiler sind demnach richtige Kerle. Das ist höchst verwirrend. Auch wenn frau sich noch so wehrt, ist sie/er zumindest bereits Teilgeschädigterin des Genderwahnsinns. Sofort taucht die Frage auf: Darf man überhaupt das Hintern-Klopfen auch nur als annähernd positiv darstellen?

Heilung durch Handauflegen

Die zweite Frage folgt auf dem Fuße: Sind wirklich die Handaufleger die Heiler der Frau in der Weepie-Gesellschaft?

Und die dritte Frage bricht wie ein Verzweiflungsschrei aus unserer Seelin heraus: Wie, um Gottes Willen, ist ein richtiger Mann!!!!!!??????? Die arme kleine Seelin kauert in der Ecke und schluchzt: „Ich weiß es nicht mehr.“

Sicher wollen wir Männer, die anpacken können – in jeder Hinsicht. Er soll unser Auto und uns abschleppen können. Sex soll immer und überall möglich sein – inklusive weiblichem Orgasmus, versteht sich. Er soll uns nicht zeigen, dass er weinen kann (Wie glauben ihm das einfach einmal so.) und uns in Ruhe lassen mit seinen Bedenken was den Weltfrieden anbelangt (Darüber haben sich schon so viele Schönheitsköniginnen den Kopf zerbrochen und das hat auch nichts genutzt. ).

Und der Klaps auf den Hintern? Wollen wir das? Die Antwort ist ein verhaltenes „Ja“, denn frau ist sich nicht mehr sicher, ob sie das wollen darf. Das ist so Retro und passt ganz gar nicht zum Bild der ultra-modernen Frau, die alles im Griff hat und der sich ein Mann nur auf maximal 100 Meter zu nähern wagt. Andererseits ist Retro gerade wieder sehr in.

Dich pudere ich sicher nicht!

Es ist leicht zu erkennen, dass die weibliche Verwirrung tief, umfassend und kaum lösbar ist. Diese schwappt unweigerlich auf das männliche Geschlecht über. Jede leicht anzüglich Bemerkung, jede Berührung (und damit ist noch nicht einmal die Hand am Hintern gemeint) birgt Gefahrenpotential. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Übergriffe unter Ehepartner, ungewollter Sex nachdem eine Frau sich in der Disco besinnungslos trank und anschließend einwilligte mit drei Männern mit in deren Wohnung zu gehen (Das Ende der Geschichte in Form einer Gruppenvergewaltigung kam völlig überraschend.) - Die Zeitungen sind voll davon. Die Krönung ist ein höchstgerichtliches Urteil, in welchem festgestellt wurde, dass die Worte „Dich pudere ich sicher nicht.“, (Zitat aus Urteil!) geäußert von einem Herren bei einer Firmenfeier zu seiner Arbeitskollegin, als sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zu werten sind.

Natürlich hat die Frau Recht, sich belästigt zu fühlen. Welche Frau hört schon gerne, dass ihr männliches Gegenüber lieber einen Nagel im Kopf, als sie in seinem Bett hätte. Aber, warum um alles in der Welt, bringt frau sich überhaupt in eine Situation, in welcher dieser fatale Satz fallen kann?! Vielleicht wollte sie eben schon von ihm „gepudert“ werden, oder fasste seine kategorische Ablehnung verständlicherweise als Beleidigung auf.


Christian Grey der Weepie

Männer stehen auf verlorenem Posten. Egal was sie machen, es ist zu 99% das Falsche.

Gleichzeitig sehen wir uns mit dem Hype um „Weil ich dich liebe, schlage ich dich.“ - Christian Grey, dem Roman-Hengst aus „50 Shades Of Grey“, konfrontiert. Auf dem Damen-WC eines Innenstadtlokals läuft zur Mittagszeit ein Sado-Maso Hörbuch in Dauerschleife. Coq au Vin und Venus im Pelz werden zeitgleich serviert.

Daraus folgt eindeutig: Für die Hinternklopfer gibt es eine weibliche Abnehmerschaft. Dass zwischen einem Klaps auf den Po und Peitschen-Orgien Welten liegen, belegt nur, dass es keinen gesunden Zugang zur Zwischenmenschlichkeit mehr gibt. Ersteres wird in der Realität als ungehörig verteufelt und daher flüchtet frau sich in die Fantasien des zweiteren. Frauen glauben resignierend zu erkennen, dass diese Körperlichkeit in den Bereich des Perversen fällt. Dort wiederum können sie in der fiktiven Welt der vermeintlich dominanten Männer (Ganz unter uns: Christian Grey ist ein gewaltiger Weepie!) ihre Fantasien ausleben, ohne Gefahr zu laufen, dass ein Mann in der wirklichen Welt, jenseits des Cyber-Rubikons auch nur auf die Idee kommt, sie anzugreifen. Dadurch bleibt frau das Entscheidungsdilemma erspart, ob sie die Berührung als angenehm empfinden dürfen oder als gelernte Emanzerin dazu verpflichtet sind, laut und umgehend nach Vergeltung zu schreien.

Kommt der richtige Mann, zur richtigen Zeit und greift IHR auf den Hintern, dann ist es einfach nur geil! Darf man so politisch-korrekterweise sicher nicht formulieren. Gut, dass wir es als Frauen in der Hand haben, uns aus den Genderfesseln verbal und faktisch zu befreien.

Ob die Autorin der genannten Kolumne einen poklapsenden Mann im praktischen Leben goutieren würde, ist uns nicht bekannt. Natürlich macht der forsche Griff ans weibliche Gesäß auch noch lange keinen richtigen Mann aus einem man, aber es gilt doch als Indiz dafür, dass er mehr archaische Stärke, Lendenkraft und Steherqualitäten zu bieten hat, als jemand, der singt: „Könnt ich einen einzigen Tag nur, in meinem Leben dir gefallen, um dann ein einziges Mal nur, in deine Arme zu fallen.“ Der Ritter in glänzender Rüstung, der in den Armen der holden Maid versinkt – das kommt nicht einmal im schlechtesten Film vor. So ist kein Mann. Das ist fix.

Die Illusion von Stärke steht einem Mann. Natürlich sind es immer die Frauen, die den Ton angeben und als echte Frau, dürfen wir auch sagen: „Ja, deine Hand an meinem Arsch ist geil!“ Das ist sie deshalb, da frau in diesem Moment bereits die Entscheidung gefasst hat, dass dem Sex nichts mehr im Wege steht und sie mit ihm und sofort will – ficken nämlich, nicht diskutieren. Der Mann darf anschließend alles mit uns machen, das wir wollen…
 

KWH

Fotos: malefashionable/ Instagram
*Chaos de luxe, Polly Adler, Freizeit Kurier vom 19.04.2014


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